Meine Damen und Herren, wir leben in einer Zeit, in der es scheinbar nur noch um Geld und Bilanzen zu gehen scheint.Aktienverluste, Börsenkrisen, Bankenpleiten, das sind die Themen unseres Alltages.
Dass es kein wertvolleres Gut auf der Welt gibt, als das menschliche Leben, verschwindet bisweilen aus unserem Bewusstsein. Das Schicksal der Menschen aus unserer Mitte wird zu einer flüchtigen Randnotiz, Menschlichkeit zu einer leeren Floskel, und Mitgefühl zur bloßen Ausrede für fehlende Tatkraft.
Und dann bricht, wie aus heiterem eine Nachricht in unsere materialistische Welt:
Zwei Soldaten und unbeteiligte Kinder sterben nach einem Selbstmordanschlag bei Kundus in Afghanistan.
Die einen von uns sind einen kurzen Moment berührt und schockiert, andere fühlen sich bestätigt -erzeugt schließlich immer Gegengewalt.
Und wieder andere hören kaum noch hin -es sind ja nicht die ersten Toten und es werden wohl auch nicht die letzten sein.
Die Welt dreht sich weiter, schon am nächsten Tag beherrschen andere Themen unsere Nachrichten.
Die Umweltzerstörung, ein neues Konjunkturprogramm, oder ein neuer Dopingfall erscheinen uns kurzfristig wichtiger.
Vielleicht ist es die Schnelllebigkeit unserer Zeit, die uns am Nachdenken hindert.
Und einfache Wahrheiten sind ja so verlockend:
Unsere Sache ist gerecht, wer uns nicht folgt, irrt sich, Freiheit kann man erzwingen notfalls schicken wir noch eben 1000 Mann mehr in dieses geschundene Land am Hindukusch.
Mit diesen Parolen belügen wir uns selbst. Wir können noch Tausende Soldaten mehr dorthin schicken, es wird uns nicht die Frage beantworten:
Warum schmeißen junge Menschen, als Selbstmordattentäter ihr Leben weg, um andere Menschen mit in den Tod zu reißen.
Warum sind unsere Werte von Demokratie und Menschenrechte kein Vorbild für andere Völker und wie stoppt man das Böse ohne selbst Zum Bösen zu werden?
Wir werden müde an diesen Fragen, wir verzweifeln von Tag zu mehr, weil wir keine Antworten finden. Deshalb wenden wir uns ab, beschäftigen uns wieder mit den Wirtschaftsdaten, Börsenkursen und Sportmeldungen.
Wir flüchten uns in eine Alibiwelt und lassen uns von Bilderfluten berauschen. Das tiefe Mitfühlen haben wir verlernt.
Am 8. August diesen Jahres konnte man bei der Olympischen Eröffnungsfeier in Peking junge Menschen aus der ganzen Welt sehen, die lachten, sich umarmten, und gemeinsam ein Fest feierten.
Die Jugend der Welt traf sich zu einem Friedensfest -nur tragisch, dass am gleichen Tag russische auf georgische Soldaten geschossen haben und Zivilisten im Bombenhagel um ihr Leben fürchten mussten.
Wir können weiter die Augen verschließen, uns von Bildern blenden lassen und uns um unbequeme Antworten drücken, nur gestorben wird weiter.
Hass ist eine Krankheit, deren Heilung Geduld, Verständnis und Besonnenheit erfordert.
Ich wünsche Ihnen trotz alledem einen besinnlichen Volkstrauertag und uns allen, dass wir nicht müde werden, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen